FALO
Bilderteil
Die Bilder sind alle dem Touring Guide 'Artigianato sapori
e tradizioni d'Italia' des Italienischen Touring Klubs entnommen. Dieser
sei als Reisebuch für das traditionelle Italen wärmstens empfohlen.
1. Dieser Typus von Festen ist auch in anderen Orten der Gegend
(bergamasco e del Lecchese) verbreitet an denen der kalte Januar verbrannt
wird. Die auf dem Feuerstoss verbrannte Figur heisst Zenerù, der
Januarmann (Gennaione). (Cacciata die gennaio, Ardesio, Lombardia, 31 Januar)
2. Der Baum heisst hier 'il mazzo'. Er wird am 25 April von Männern
und Burschen im Wald gefällt und zum 'Eingang des Landes' (ingresso
dell paese) gebracht, wo ihn eine Gruppe von Mädchen mit farbigen
Bändern und Papierstreifen schmückt. Danach wird er feierlich
von einem geschmückten Wagen zur Piazza der Gemeinde gebracht, wo
er gesegnet wird. Am Morgen des 1. Mai wird ein Seil umgelegt an dem eine
Gruppe den Baum durch Ziehen verschiebt, eine andere Gruppe trägt
den Stamm auf ihren Schultern. Er wird so zu einem zweiten Ort gebracht
und dort bis zum 2. Juni stehen gelassen. Am Abend des 2. Juni wird er
zersägt und verbrannt. Man beachte, dass hier ganz bestimmte Orte
im Gemeinderaum eine wichtige Rolle spielen. (Il mazzo, Ponte Nossa, Lombardia,
25. April - 1. Mai)
3. Die ganze Bevölkerung beteiligt sich hier am Beschaffen des Baumes,
am Transport auf die Piazza des Ortes. Er wird mit alten Regenschirmen
geschmückt, Zeichen für Regen im kommenden Jahr. Danach wird
Brennholz um den Baum angehäuft das abends angezündet wird. Der
Baum selbst verbrennt nicht. Er wird dem Besitzer zurückgegeben. (Carnevale,
Pescarolo, Lombardia, Fastnachtswoche)
4. Kinder sammeln während des Monats Januar ausgetragene Stoffe und
brennbares Material. Letzteres wird zum 'Januarmann' aufgebaut und dieser
wird am 31. Januar verbrannt. Das Fest ist sehr wahrscheinlich der vorerst
anthropomorphisierte, dann ins Profane abgefallener Rest eines zyklischen
Demarkationskults der agraren Dorfkulturen. (Cacciata die gennaio, Premana,
Lombardia, 31 Januar)
5. Karneval werden hier hüttenartige Strukturen genannt, die aus mit
Lorbeerblättern umwundenen Bambushalmen konstruiert sind. Sie sind
mit farbigen Papierstreifen, Würsten und Orangen geschmückt.
Sie werden mit Musik und Gesang durch die Strassen getragen. Am Abend werden
sie an einen Platz über dem Dorf gebracht und angezündet und
in einem weit sichtbaren Feuer verbrannt. (I carnevali, Arco, Erster Sonntag
im 'Quaresima')
6. Am Morgen des Mardi gras wird auf einer weitsichtigen Terrasse ein hohes
Tannenholz errichtet Er gilt vorerst als markanter Raum für eine lokale
Komödie, in welcher der zuletzt im Jahr verheiratete den Baum als
'Karnevalstanne' tauft. Am Nachmittag wird die Tanne mit Brennmaterial
versehen, das am Abend angezündet wird und weit ins ganze Tal leuchtet.
(Carnevale del pino, Grauno, Trentino-Alto Adige, Mardigras)
7. In vielen Orten des Veneto und des Friaul wird die Epiphanie mit einem
'pignarul' genannten Feuerstoss gefeiert. Der Ritus hat eine besondere
Bedeutung an diesem Ort. Ist hier der Holzstoss angezündet, so bilden
die Flammen das Zeichen für die umliegenden Gemeinden auch ihre 'pignarul'
in Brand zu stecken. Man wird an die römischen Brand und Rauchmeldungen
erinnert. Hatten sie in solchen Traditionen ihren Ursprung? (Il pignarul,
Tarcento, Friuli-Venezia Giulia, 6. Januar)
8. Ein Baum auf dem Berg Fogliano wird in Erinnerung an einen Territorialdisput
mit Viterbo mit Guirlanden und Frühlingsblumen geschmückt. Die
Einwohner des Ortes erneuern dabei jährlich ihre Anrechte auf den
Ort. Der Ritus wird sehr feierlich durchgeführt unter Anwesenheit
des Gemeindvorstands, der Einwohner. Ein mit Blumen bestecktes Bündel
(fascio fiorito) wird mitgetragen, das man Mai nennt (Sposalizio dell'albero,
Vetralla, Lazio, 8. Mai)
9. Siehe unten .(Le Farchie, Fara filiorum Petri; Abbruzzen, 16/17. Januar)
10. Riesige Schilffacken, ca. 10 Meter hoch, mit Fahnen und Wimplen geschmückt,
sind der Kern dieses Festes. Etwa 10 werden am frühen Nachmitag des
16. Januar zum Vorplatz der Antonius Kirche (s. Antonio abate) gebracht
und mit Seilen aufgereichtet und stehend angezündet. Nach der lokalen
Erklärung soll der Brauch einen künstlich angelegten Wald-Brand
in Erinnerung rufen, mit dem die Franzosen im Jahre 1799 am Eindringen
in die Gegend gehindert werden konnten. Die Schilffackeln sprechen allerdings
eine andere Sprache: offensichtlich handelt es sich um einen vorchristlichen
Kultbrauch der sehr wahrscheinlich - als territoriale Demarkation -- aus
den ansässig gewordenen Dorfkulturen der Jungsteinzeit stammt. (Le
Farchie, Fara filiorum Petri; Abbruzzen, 16/17. Januar)
11. Nächtliche Fackelprozession mit tausenden von 3-4 m langen Fackeln
(rami o tronchi di abete). Das Feuerfest dauert die ganze Nacht (La
'ndocciata; Agnone, Molise; 24 Dezember)
12. Ochsen in Naturgrösse aus fibrösem Material gebildet. Die
zeitlich tiefreichende Erinnerung, dass fasrige Materialien als bildnerisches
Material verwendet werden können, lebt hier offensichtlich noch fort
(La sfilata delle traglie, Jelsi, Molise, 26 Juli).
13. Strohkirche als Prozessionswagen. Die Fassaden dieser 'grossen Wagen'
sind bekannten Kirchen nachgebildet. Sie deuten an, dass zwischen Heiligtum
(resp. Kirche heute) und fibrösen Materialien eine sehr alte
Beziehung besteht. Am gleichen Fest gibt es auch kleinere Wagen,
die anderen religiösen Themen gewidmet sind (Festa del grano, Foglianise,
Campagna, 16. August)
14. Am gleichen Ort tragen Frauen riesige Körbe auf dem Kopf auf dem
sie Kornähren wie Blumensträusse mit Blumen und Fahnen dekoriert
arrangiert haben. Das Bild lädt zum Vergleich ähnlicher Prozessionen
etwa in Bali ein: es ist offensichtlich nicht lediglich 'Fruchtbarkeit'
die hier eine Rolle spielt, es geht auch um ein aesthetisches Prinzip,
das wir andernorts 'materiell gebundene PRO-portion' genannt haben.
Erstaunlich ist, dass wir heute im industriellen Zeitalter analytischen
Spaltens und Anhäufens ins Endlose plötzlich wieder ein positives
Verständnis für solche auf Harmonie tendierende Weltbilder haben.
(Festa del grano, Foglianise, Campagna, 16. August)
15. Der wichtigste Teil des Festes besteht im 'Ritus der Focara'. Dies
ist die Bezeichnung für einen riesigen konisch geformten Holzstoss,
auf dem zuoberst das Bild des Heiligen aufgestellt ist. Angezündet
brennt der konische Berg über 24 Stunden. Die Asche gilt als Reliquie
und wird auch verkauft. (Fest des Heiligen Antonius (Sant'Antonio abate),
Novoli, Puglia, 1.-18. Januar)
16. Zwei Männer in agrarer Arbeitskleidung und bewehrt mit Sichel
und Weizenhalmbündel vollziehen theatralisch eine Streithandlung.
Es geht um eine in der Mitte zwischen ihnen aufgestellte Weizengarbe. Vermutlich
geht der Brauch auf einen ritualisierten Territorialkampf zurück (Fest
des San Rocco, San Giorgio Lucano, Basilicata, letzter Juni-Sonntag)
17. Der Hauptteil des Festes besteht aus einer Prozession mit einer Figur
des heiligen Rocco. Die Männer tragen eine hüttenartige Kopf-
und Körpertracht aus dornenbesetzten Zweigen. Auf der Brust sieht
man das Bild des Heiligen (Festa die San Rocco, Palmi, Kalabrien,
16 August)
18. Wie oben
19. Junge Männer schneiden sich vor dem Fest in der Umgebung der Gemeinde
einen nach bestimmten Kriterien ausgewählten Orangenbaum. Sie werden
mit allerlei farbigen Dingen reich geschmückt und am Ostersonntag
vor die Kirche gestellt und gesegnet. Die Männer messen sich gegenseitig
darin, wer seinen Orangenbaum am längsten auf dem nach oben ausgestreckten
Arm und Hand hochhalten kann. (Festa de li schetti, Terrasini, Sicilia,
Ostersonntag)
20. Ein beträchtlich grosser Eichbaum wird auf Gemeindegebiet gefällt,
mit einem Wagen in die Gemeinde gebracht und auf dem Hauptplatz vor der
Kirche (S. Giovanni) errichtet. Am Abend vor dem Hauptfest wird der Baum
in Brand gesteckt (Norbello, Falo des Heiligen Antonius , 17 Januar)